109 ct/kWh: Speicher-Strategie bei Hitzewelle
Am 24. Juni 2026 stieg der Tibber-Preis auf 109 ct/kWh. Was den Rekordstrompreis ausgelöst hat und wie du den Speicher für die nächste Hitzewelle einstellst.
5 min Lesezeit Stand 25. Juni 2026
Am Mittwoch, dem 24. Juni 2026, zahlten Tibber-Kunden in Deutschland für eine Kilowattstunde im Abendpeak bis zu 109 ct , der Tiefpreis desselben Tages lag bei 27,5 ct. Wer einen 2-kWh-Speicher mittags bei knapp 28 ct geladen und abends bei 109 ct selbst entladen hat, hat an diesem einen Abend rund 1,50 Euro gespart, ohne einen Finger zu rühren. Das ist kein Versprechen für jeden Tag: Es war ein Ausnahmetag mit einer Tagesspreizung von 81 ct. Aber er zeigt, wozu ein dynamischer Tarif mit Speicher im Sommer fähig ist.
Was am 24. Juni passiert ist
Kurz die Zahlen, damit klar ist, worüber wir reden:
Tibber-Endkundenpreise (inkl. Steuern, Netzentgelte):
- Tiefstwert: 27,5 ct/kWh (Mittagsstunden)
- Spitzenwert: 109 ct/kWh (Abend, 19–22 Uhr)
- Tagesmittel: 44,5 ct/kWh
Day-Ahead-Börsenpreis (ohne Steuern, EPEX Spot DE):
- Spitzenwert Mittwoch: bis zu 75 ct/kWh
- Am Vorabend (23.06.): 747,10 EUR/MWh = 74,7 ct/kWh
Hinter dem Preissprung steckte ein bekanntes Sommermuster, das diesmal ungewöhnlich deutlich ausfiel: Die Windeinspeisung fiel von rund 17,6 GW in der Vorwoche auf etwa 11 GW in dieser Woche , am Dienstagabend sogar unter 10 GW. Solar speist nach 18 Uhr kaum noch ein. Die Hitze trieb gleichzeitig den Kühlstrombedarf hoch. In Belgien wurden zum selben Zeitpunkt 1.038 EUR/MWh registriert : Der Engpass war europaweit. Exportstrom aus Frankreich und der Schweiz fehlte, weil dort die eigene Versorgung angespannt war.
Was das für deinen Speicher bedeutet
Der 24. Juni illustriert die Arithmetik hinter der Spotpreis-Arbitrage: Ein 2-kWh-Speicher, mittags bei 27,5 ct/kWh geladen und abends bei 109 ct/kWh entladen, erzielt einen Brutto-Spread von 81,5 ct/kWh. Mit ~90 % Roundtrip-Wirkungsgrad bleiben ca. 73 ct/kWh effektiver Spread, also rund 1,46 Euro an einem einzigen Abend, was mehr als einem Monat durchschnittlicher Spotpreis-Ersparnis entspricht. Drei Einschränkungen gehören dazu:
- Grid-Charging (Speicher aus dem Netz laden) erfordert bei Tibber einen kompatiblen Speicher mit nativer Integration, also z.B. Anker Solix, Marstek Venus oder EcoFlow mit Tibber-Unterstützung. Ohne diese Funktion lädt der Speicher nur aus der eigenen PV-Einspeisung.
- Die Werte vom 24.06. sind ein Sonderfall. Im Jahresdurchschnitt liegt die typische Tagesspreizung deutlich niedriger.
- Wer nicht bereits bei Tibber Werbung oder einem anderen dynamischen Tarif ist, profitiert von solchen Tagen überhaupt nicht.
Wie viel du im Jahresdurchschnitt mit verschiedenen Speichergrößen und Schwellenwerten sparst, zeigt der Artikel Spotpreis-Strategie mit Speicher: welcher Modus spart wirklich? mit vollständigen Durchrechnungen.
Warum der Sommer den größten Hebel bietet
Dynamische Tarife haben im Winter ihren Nachteil: Heizung läuft ganztags, wenig Flexibilität, Spreizungen durch den Tag sind oft gering. Im Sommer dreht sich das:
- Solar liefert mittags günstige Stunden, oft unter 20 ct/kWh bei Tibber.
- Hitzewellen erzeugen Abendspitzen, weil Solar wegfällt und Kühllasten weiter laufen.
- Wind ist volatiler: Ein Hoch über Mitteleuropa drückt gleichzeitig Wind und Temperaturen in eine ungünstige Kombination für die Netze.
Das Resultat: Die Tagesspreizungen im Sommer übertreffen die des Winters strukturell, wenn Hochdrucklagen und Hitzewellen zusammentreffen. Die Voraussetzung ist aber, dass der Speicher morgens leer genug ist, um mittags zu laden, und abends voll, wenn die Spitze kommt.
Konkrete Einstellungen für die nächste Hitzewelle
Wenn der Wetterdienst für die nächsten Tage eine Hitzewelle ankündigt und gleichzeitig schwacher Wind prognostiziert ist, kannst du aktiv reagieren:
Strategie “Hitzewelle Arbitrage”:
- Wettercheck am Vorabend: Temperaturen über 33 °C + wenig Wind in der Prognose für den Folgetag sind ein zuverlässiges Signal für hohe Abendpreise.
- SoC-Ziel bis 12 Uhr: Speicher auf 100 % bringen, entweder per PV (wenn vorhanden) oder per Grid-Charging in der günstigen Mittagsphase (<30 ct bei Tibber).
- Ab 17 Uhr: Netz-Entladung deaktivieren oder SOC-Minimum auf 80 % setzen, damit der Speicher zur Abendspitze voll verfügbar ist.
- Automatisierung: Wer Home Assistant nutzt, kann das mit der Tibber-Integration und einem einfachen Automatisierungs-Blueprint auf Basis der stündlichen Preisdaten umsetzen. Die Speicher-Hersteller-Apps (Anker Solix, EcoFlow) bieten alternativ den “Spotpreis-Modus” oder “Smart Charging”, der genau das automatisch tut.
Der 24. Juni 2026 ist ein Extrembeispiel. Aber er ist kein Einzelfall: Ähnliche Muster gab es in den Sommern 2022 und 2023. Wer mit Tibber oder einem anderen dynamischen Tarif kombiniert mit einem Speicher unterwegs ist, profitiert genau dann am stärksten, wenn es draußen am heißesten ist.
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