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Speicher laden mit Mittagsstrom im Sommer

Spotpreise sinken im Sommer mittags auf fast null. Wer einen Speicher mit Tibber oder aWATTar betreibt, kann dann für 10-12 ct/kWh laden statt 28 ct am Abend.

5 min Lesezeit Stand 1. Juli 2026

Im Sommer ist das Mittagsfenster von 11 bis 15 Uhr oft die günstigste Ladestunde des Tages, günstiger als jede Nacht-Billigstunde im Winter. Wer das nutzt, zahlt für denselben Speicher-Akku typisch 10–12 ct/kWh statt 28–30 ct am Abend. Das macht bei einem 1,6-kWh-Speicher über die Sommermonate einen spürbaren Unterschied.

Warum der Spotpreis mittags im Sommer einbricht

Wenn deutsche Solardächer zwischen 11 und 14 Uhr auf Volllast laufen, übersteigt die PV-Erzeugung häufig die aktuelle Nachfrage. Der EPEX-Spotpreis fällt dann auf 0 oder ins Negative. 2025 zählte Deutschland bereits 573 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen, ein neuer Rekord. Für 2026 werden 700–900 solche Stunden prognostiziert, da weiter etwa 15 GW Solarleistung pro Jahr zugebaut werden.

Beim Endkunden kommt von diesem Nullpreis nichts an: Netzentgelte, Steuern und der Anbieter-Aufschlag bleiben. Mit einem dynamischen Tarif wie Tibber Werbung oder aWATTar zahlst du bei Börsenpreisen nahe null trotzdem noch etwa 10–17 ct/kWh. Gegenüber einem Abend-Hochpreis von 28–34 ct ergibt das einen Spread von rund 15–20 ct, und genau dieser Spread ist der Kern der Mittags-Strategie.

Wann es sich rechnet: Break-Even für den Balkonkraftwerk-Speicher

Grid-Charging hat einen Haken: Jede Lade-Entlade-Runde kostet durch Roundtrip-Verluste Energie. LiFePO4-Speicher schaffen typisch 85–90 % Roundtrip-Effizienz, das heißt, für jede gespeicherte kWh bezahlst du Ladestrom für etwa 1,1–1,2 kWh. Damit der Ladevorgang günstiger ist als einfacher Netz-Direktbezug am Abend, braucht es einen Mindest-Spread.

Typisches Rechenbeispiel für einen 1,6-kWh-Speicher (nutzbar ca. 1,3 kWh bei 80 % DOD):

  • Mittagspreis Tibber: 10 ct/kWh
  • Ladekosten für 1,3 kWh nutzbar: 1,3 kWh / 0,87 Roundtrip × 10 ct = ca. 15 ct
  • Wert der 1,3 kWh am Abend: 1,3 kWh × 28 ct = 36 ct
  • Netto-Vorteil je Zyklus: etwa 21 ct

Pro Sommertag mit Mittags-Fenster sind das rund 21 Cent mehr in der Tasche als ohne diese Strategie. Auf 60 Sommertage gerechnet kommt je nach Setup eine Ersparnis von 10–15 Euro zusammen, zusätzlich zur normalen Solar-Eigenverbrauchsersparnis.

Einrichten mit evcc: smartCostLimit auf Tibber-Preis setzen

Wer evcc betreibt, kann das Mittags-Fenster automatisieren. Für den Hausspeicher steuert das die Option batteryGridChargeLimit: Sobald der Tibber-Preis diesen Wert unterschreitet, lädt evcc den Speicher aus dem Netz, ohne dass du eingreifen musst. Die Fahrzeug-Ladung nutzt dieselbe Logik über den Loadpoint-Schwellwert (“Cheap grid charging”).

Praktische Konfiguration in evcc:

  1. Tibber als Tarif-Quelle in evcc.yaml einrichten (type: template, template: tibber, Token eintragen).
  2. In den Batterie-Einstellungen batteryGridChargeLimit auf deinen Schwellwert setzen, z.B. 12 ct/kWh.
  3. Speicher-Ladecontroller im Solar-Modus belassen; evcc übernimmt das Mittags-Laden automatisch wenn der Preis darunter fällt.

Sommer-Konfiguration vs. Winter-Standard

Die Mittags-Strategie ist eine saisonale Ergänzung, kein Ersatz für den normalen Betrieb:

  • Sommer (Mai–September): Spotpreise mittags häufig 0–12 ct, Spread zu Abend-Hochpreisen oft 15 ct oder mehr. Grid-Charging im Mittags-Fenster ergibt Sinn.
  • Winter (Oktober–April): PV-Überproduktion fällt weg, Mittags-Dip ist selten und geringer. Speicher im Self-Consumption-Modus sinnvoller, Grid-Charging nur an seltenen Hochwind-/Überproduktions-Tagen attraktiv.
  • Empfehlung: Im Mai auf Spot-Optimized-Modus umstellen, im Oktober zurück auf reinen Self-Consumption. Wer evcc nutzt, kann den Schwellwert saisonal anpassen statt komplett umzuschalten.

Die Grundlagen zur Spread-Logik, zu Zyklen-Wirtschaftlichkeit und den verschiedenen Betriebsmodi erklärt der Artikel Spotpreis + Speicher: Welcher Modus spart? ausführlicher, inklusive Jahresrechnung für verschiedene Speichergrößen.