evcc Balkonkraftwerk einrichten: Setup ohne E-Auto
evcc Balkonkraftwerk einrichten ohne Wallbox: BKW als PV-Meter, Shelly Plug als Loadpoint, Solarbank-Stand, mit YAML-Beispielen und ehrlicher HA-vs-evcc-Einschätzung.
8 min Lesezeit Stand 17. Mai 2026
evcc (EV Charge Controller) kennen die meisten im Kontext von Wallbox und E-Auto. Aber läuft es auch sinnvoll ohne Fahrzeug, nur mit einem 800-W-Balkonkraftwerk und ein paar Smart Plugs? Die kurze Antwort: ja, mit Einschränkungen, und es gibt Konstellationen, wo HA-Automationen weniger Aufwand bedeuten. Dieser Artikel zeigt den vollständigen Setup-Weg und benennt ehrlich, wo evcc ohne Wallbox an seine Grenzen stößt.
Aktuell stabile Version: evcc v0.306.3, erschienen 8. Mai 2026 .
Was evcc ohne E-Auto bringt, und was nicht
Ohne Wallbox kann evcc zwei Dinge: als Energie-Monitor fungieren (PV-Erzeugung, Netzbezug, Speicher-SOC im Dashboard zusammenführen) und Smart Plugs als Loadpoints schalten (Heizlüfter, Waschmaschine, Kühlschrank-Boost, eBike-Ladegerät).
Was es nicht kann: stufenlose Leistungsregelung. Ein Smart Plug kennt nur Ein oder Aus. Das ist der fundamentale Unterschied zur Wallbox, die evcc in Schritten von einem Ampere regelt. Bei einem 600-W-BKW bedeutet das: entweder der gesamte Plug-Verbraucher läuft (typisch 500–2.000 W) oder gar nicht. Echte Überschuss-Optimierung wie beim E-Auto-Laden ist damit nicht möglich .
Das ist kein Fehler von evcc, das Projekt ist auf Wallboxen ausgelegt. Wer nur Smart Plugs steuern will, bekommt mit Home Assistant Automationen (Überschuss-Sensor + HA-Script) dasselbe Ergebnis mit weniger Setup-Aufwand. Wer hingegen ohnehin schon eine evcc-Instanz betreibt oder plant, eine Wallbox zu ergänzen, kann Smart Plugs als zusätzliche Loadpoints integrieren.
Wenn du eine Wallbox hast, lies besser dort: evcc Überschussladen: Setup-Anleitung 2026.
Mindest-Stack: Grid-Meter + BKW als PV-Meter
Auch ohne E-Auto gilt: Grid-Meter zuerst. evcc berechnet den Überschuss aus dem Netzmesspunkt, Netzbezug positiv, Einspeisung negativ. Ohne Grid-Meter kann evcc keinen Überschuss berechnen und kein Loadpoint-Switching auslösen .
Verbreitete Grid-Meter-Wahl im BKW-Umfeld: Shelly Pro 3EM oder die günstigere Alternative Shelly 3EM-63T Gen3 . evcc hat für beide fertige Templates. Details zum Einbau: Shelly Pro 3EM: Kaufberatung & HA-Setup 2026.
meters:
- name: grid
type: template
template: shelly-pro-3em
usage: grid
host: 192.168.1.100 # IP des Shelly Pro 3EM
Das BKW kommt als zweiter Meter-Eintrag hinzu, vorausgesetzt, es ist über eine lokale API auslesbar (OpenDTU für Hoymiles HM/HMS, AhoyDTU als Alternative) :
- name: pv_bkw
type: template
template: opendtu
usage: pv
host: 192.168.1.102 # IP des OpenDTU
site:
title: "Zuhause"
meters:
grid: grid
pv:
- pv_bkw
Smart Plug als Loadpoint: Shelly oder Tasmota konfigurieren
Ein Shelly Plug (z.B. Shelly Plug S ) oder eine Tasmota-basierte Steckdose lässt sich als Loadpoint konfigurieren. evcc schaltet ihn ein, wenn der Überschuss eine Schwelle überschreitet, und aus, wenn er darunter fällt .
chargers:
- name: shelly_plug
type: template
template: shelly
host: 192.168.1.110
integrateddevice: true
icon: heatpump # oder: waterheater, cooler, custom
loadpoints:
- title: "Heizlüfter"
charger: shelly_plug
mode: pv
enable:
threshold: -400 # Einschalten bei 400 W Überschuss
delay: 3m
disable:
threshold: 100 # Ausschalten bei 100 W Netzbezug
delay: 3m
Drei Punkte, die hier oft überraschen:
- Minimum-Ladestrom gilt auch für Plugs. Der interne Schwellwert entspricht dem Eingangsparameter
enable.threshold. Wer ihn zu niedrig setzt, bekommt ein oszillierendes Ein/Aus bei wechselnder Bewölkung. - evcc-Overhead ist real. Für einen einzelnen Smart Plug braucht man Grid-Meter + evcc-Server + YAML-Konfiguration. Wer nur einen Plug steuern will und sonst kein evcc braucht: eine HA-Automation mit Überschuss-Trigger ist einfacher.
- Browser-Config reicht nicht. Seit v0.300 ist die Browser-basierte evcc-Konfiguration für Standard-Setups (Grid-Meter + Wallbox) stabil . Smart Consumers und Custom-Meter erfordern jedoch weiterhin YAML-Einträge, der Browser-Config-Weg funktioniert hier nicht vollständig.
Anker SOLIX Solarbank in evcc: der aktuelle Stand
Ab evcc v0.306.2 (Mai 2026) gibt es ein Battery-Meter-Template für den Anker SOLIX X1 Hybrid-Wechselrichter, nicht für die Solarbank-Reihe . Der X1 spricht Modbus TCP; das Modbus-Interface muss in der Anker-App aktiviert sein.
Die marktrelevanten Balkon-Modelle, Solarbank 2 E1600 Pro , Solarbank 2 E1600 AC und Solarbank 3 E2700 , sind nicht nativ in evcc als Battery-Device integriert. GitHub-Issue #21963 hatte Support für die Solarbank-3-Reihe gefordert, wurde aber als “not planned” geschlossen .
Workaround: HA-Integration als Brücke. Die thomluther-HACS-Integration bindet Solarbank 2/3 über die Cloud-API in Home Assistant ein, SOC, Lade- und Entladeleistung als HA-Entities. Wer dann die ha-evcc-Bridge von marq24 nutzt, kann diese HA-Entities als virtuellen Battery-Meter in evcc einschleifen. Das ist Setup-aufwändig und bringt nur Monitoring, keine direkte Steuerung der Solarbank durch evcc . Details zur HA-Integration: Anker SOLIX Home Assistant: HACS vs. Modbus.
Für Tibber-Spotpreis-Optimierung der Solarbank ist der native Smart-Plan in der Anker-SOLIX-App der direktere Weg, ohne Umweg über evcc.
Energie-Monitor ohne Wallbox: was das evcc-Dashboard zeigt
Auch ohne aktiven Loadpoint zeigt das evcc-Dashboard nützliche Informationen: PV-Erzeugung, Netzbezug/-einspeisung, Speicher-SOC (falls ein battery-Meter konfiguriert ist) und Eigenverbrauchsquote. Das Dashboard ist unter http://<evcc-ip>:7070 erreichbar, kein Login nötig.
Der Mehrwert gegenüber dem HA-Energie-Dashboard: evcc zeigt Echtzeit-Überschuss in Watt als zentralen Wert, sinnvoll für das manuelle Steuern von Verbrauchern (“jetzt läuft das BKW mit 600 W, ich kann den Heizlüfter kurz einschalten”). Für tiefere historische Auswertungen (Tageskurven, Monats-kWh, Saldierung pro Phase) ist das HA-Energie-Dashboard leistungsfähiger.
Wann evcc ohne E-Auto, wann lieber HA-only?
| Szenario | Empfehlung |
|---|---|
| Nur Smart Plugs steuern, kein evcc vorhanden | HA-Automation einfacher |
| evcc bereits installiert (für spätere Wallbox) | Smart Plugs als Loadpoints ergänzen |
| Solarbank-Steuerung über evcc | Nicht möglich (kein natives Template); HA-Integration nutzen |
| Energie-Monitor mit PV + Grid in einem Dashboard | evcc-Dashboard gut; HA granularer |
| BKW als PV-Quelle sichtbar machen | Beide Wege möglich; evcc unkomplizierter wenn ohnehin installiert |
Passende Hardware
Shelly · Empfehlung
Shelly Pro 3EM
- Funktion
- Grid-Meter (3-Phasen)
- Max. Strom
- 120 A
- evcc-Template
- Ja, fertig
- Anbindung
- HTTP/REST
Empfohlenes Standard-Setup für evcc
60 Tage On-Device-History
Elektriker-Einbau Pflicht
Teurer als die 63T-Variante
Shelly
Shelly 3EM-63T Gen3
- Funktion
- Grid-Meter (3-Phasen)
- Max. Strom
- 63 A
- evcc-Template
- Ja, fertig
- Preis
- ab ca. 69 €
Günstigste Variante für Standardhaushalt
Identische evcc-Integration wie Pro 3EM
Nur 7 Tage On-Device-History
Nicht für 120-A-Absicherung
Shelly
Shelly Plug S
- Funktion
- Smart Plug
- evcc-Rolle
- Loadpoint
- Param
- integrateddevice: true
- Anbindung
- HTTP/REST
Plug-and-play als Loadpoint
Integrierter Leistungssensor
Nur Ein/Aus, keine stufenlose Regelung
Threshold-Wahl kritisch wegen Oszillation
Fazit
evcc ohne E-Auto ist kein Selbstläufer. Wer es ausschließlich für Smart-Plug-Steuerung aufsetzen will, treibt für das Ergebnis mehr Aufwand als nötig, eine HA-Automation mit Überschuss-Trigger ist pragmatischer. Wer hingegen bereits eine evcc-Instanz betreibt oder in absehbarer Zeit eine Wallbox ergänzt, kann Smart Plugs als Loadpoints sauber integrieren und bekommt einen Energie-Monitor on top.
Das Solarbank-Monitoring bleibt ein separater Weg über die thomluther-HA-Integration, eine direkte evcc-Solarbank-Steuerung gibt es für die E1600/E2700-Modelle Stand Mai 2026 nicht. Wer das braucht, setzt auf den HA-Pfad oder wartet auf den offiziellen evcc-Support.