Solar Prognose Home Assistant: API-Vergleich
forecast.solar, Solcast und Open-Meteo im Vergleich: Welche Solarprognose-API passt zum BKW? Rate-Limits, Ost-West-Split und Automation erklärt.
8 min Lesezeit Stand 17. Mai 2026
Wer OpenDTU oder einen Shelly Pro 3EM bereits in Home Assistant integriert hat, will den nächsten Schritt: Automationen, die auf Basis der erwarteten PV-Produktion handeln, Waschmaschine starten, Speicher vorladen, Warmwasserbereitung ankicken. Dafür braucht es Ertragsprognosen. Drei Dienste stehen zur Auswahl, und die Wahl hängt von Ausrichtung, Budget und Toleranz für Rate-Limits ab.
Drei APIs im Überblick
| Eigenschaft | Solarprognose-API forecast.solar Public | Solarprognose-API forecast.solar Personal Plus | Solarprognose-API Solcast Free | Solarprognose-API Open-Meteo |
|---|---|---|---|---|
| Kosten | kostenlos | 28 €/Jahr | kostenlos | kostenlos |
| API-Key nötig | Nein | Ja | Ja | Nein |
| Prognose-Horizont | heute + morgen | heute + 3 Tage | 14 Tage | unbegrenzt dokumentiert |
| Auflösung | 1 Stunde | 15 Minuten | 30 Minuten | 15 Minuten |
| Ost-West-Split | Nein | Ja (bis 2 Planes) | Ja (bis 2 Sites) | Ja (mehrere Arrays) |
| Rate-Limit | Rolling, ~12 Calls/60 Min | höher | 10 Calls/Tag (neue Accounts) | 10.000 Req/Tag per IP |
| HACS nötig | Nein (nativ in HA) | Nein | Ja | Ja |
| Percentile (P10/P90) | Nein | Nein | Ja | Nein |
| Zum Anbieter | n/a | n/a | n/a | n/a |
forecast.solar: die native HA-Integration
forecast.solar ist direkt in Home Assistant eingebaut, kein HACS, kein GitHub-Repo suchen. Unter Einstellungen → Geräte & Dienste → Integration hinzufügen → “Forecast.Solar” trägt man Koordinaten, Ausrichtung (Azimuth), Neigung (Declination) und Peakleistung in kWp ein.
Nach der Einrichtung stehen diese Sensoren bereit:
- Geschätzte Produktion heute / morgen (kWh)
- Geschätzte Produktion verbleibend heute (kWh)
- Produktion diese Stunde / nächste Stunde (kWh)
- Aktuelle PV-Leistung jetzt (W)
- Spitzenproduktionszeitpunkt heute und morgen
Wichtig: die “12-Stunden”-Verwechslung. In vielen Anleitungen steht “forecast.solar Public liefert nur 12 Stunden kostenlos”, das ist falsch. Die 12 bezieht sich auf das Rolling-Rate-Limit (Anzahl API-Calls innerhalb von 60 Minuten), nicht auf den Prognose-Horizont. Der Public-Plan liefert “heute und morgen”, das sind bei einem Abruf am Mittag maximal ~36 Stunden Vorschau . Updates unter 15 Minuten machen keinen Sinn, weil die Wetterdaten seltener aktualisiert werden .
Ost-West-BKW: Public reicht nicht. Wer zwei Module in verschiedene Richtungen ausgerichtet hat, ein häufiges Szenario bei Balkon-Ost-West-Setups, braucht zwei Planes. Das ist bei forecast.solar erst ab Personal Plus (28 €/Jahr) möglich, und ein API-Key ist zwingend erforderlich . Ohne API-Key werden zusätzliche Planes stillschweigend ignoriert, kein Fehler, nur stille Fehlkalkulation.
Solcast: die genaueste Option, mit Einschränkungen
Die Solcast-HACS-Integration (ha-solcast-solar von BJReplay) ist nicht nativ in HA enthalten und muss über HACS installiert werden. Nach der Installation trägt man seinen Solcast-API-Key ein und konfiguriert die Rooftop Sites im Solcast-Webinterface.
Was der Free Tier liefert:
- 10 API-Calls pro Tag für neue Hobbyist-Accounts
- Bis zu 2 Rooftop Sites, Ost und West separat konfigurierbar
- 14-Tage-Prognose-Horizont
- Drei Konfidenz-Stufen: P10 (pessimistisch), P50 (Mittelwert), P90 (optimistisch)
Achtung: Die 50-Calls-Angabe gilt nicht mehr für neue Accounts. Ältere YouTube-Videos und Blogposts nennen 50 API-Calls pro Tag. Das galt für Altaccounts, neue Hobbyist-Accounts haben seit 2024 fix 10 Calls/Tag. Wer einen neuen Account anlegt und 50 Calls erwartet, wird enttäuscht.
Reichen 10 Calls für sinnvolle Automationen? Ja, wenn das Update-Intervall in der HACS-Integration auf 2 Stunden gesetzt wird. Die Integration cached die letzte API-Antwort lokal, HA-Automationen können trotzdem sekündlich auf die Prognose-Sensoren zugreifen, ohne neue Calls auszulösen.
Genauigkeit: Solcast hat in einer unabhängig durchgeführten EPRI-Studie die niedrigste Fehlerrate unter kommerziellen Solar-Prognose-Diensten erreicht . Für ein 800-W-BKW ist das vor allem bei P10/P90-Sensoren relevant: wer seine Automation auf den P10-Wert (pessimistisches Szenario) triggert, baut einen eingebauten Sicherheitspuffer ein.
Open-Meteo: kostenlos und ohne Rate-Limit-Stress
Open-Meteo ist die dritte Option, und die einzige, die weder API-Key noch Rate-Limit-Management erfordert. Die HACS-Integration ha-open-meteo-solar-forecast (rany2) nutzt die kostenlose Open-Meteo-API .
Community-Erfahrungen berichten, dass Open-Meteo beim Free Tier von forecast.solar zumindest gleichauf liegt, teils besser, mit dem Vorteil, beliebig häufig abrufbar zu sein .
Kritische Konfigurationsfalle: Azimuth-Konvention. Open-Meteo verwendet den Bereich [0°, 360°] mit Norden = 0°, Osten = 90°, Süden = 180°, Westen = 270°. Solcast und viele andere Dienste nutzen [-180°, 180°] mit Süden = 0°. Wer aus einem Solcast-Setup kommt und einen negativen Azimuth-Wert (z.B. -90° für West) in Open-Meteo überträgt, bekommt dauerhaft falsche Prognosen, kein Fehler, nur lautlos falsche Zahlen . Die Umrechnung: negativen Wert um 360° erhöhen (−90° → 270°).
Prognose-Automation bauen: Beispiel Waschmaschine
Das häufigste Use-Case: Verbraucher nur starten, wenn die Prognose ausreichend Überschuss verspricht. Mit forecast.solar als Basis (Sensor sensor.energy_production_next_hour) in HA YAML:
automation:
- alias: "Waschmaschine bei PV-Überschuss starten"
trigger:
- platform: time_pattern
minutes: "/15"
condition:
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.energy_production_next_hour
above: 0.3 # mehr als 300 Wh in der nächsten Stunde prognostiziert
- condition: state
entity_id: input_boolean.waschmaschine_freigabe
state: "on"
action:
- service: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.waschmaschinen_steckdose
Der Schwellwert (hier 0,3 kWh = 300 Wh) sollte konservativ gewählt werden, lieber 20% unter dem tatsächlichen Verbrauch der Waschmaschine, damit Prognose-Abweichungen bei bedecktem Himmel nicht zu Fehlstarts führen. Wer Solcast nutzt, kann statt des P50-Sensors den P10-Sensor als Trigger-Wert nehmen: der pessimistische Wert filtert Schlechtwetter-Fehlstarts zuverlässiger heraus.
Für komplexere Lastverschiebung, z.B. Vorrang-Logik zwischen Waschmaschine, Geschirrspüler und Speicher-Vorladen, lohnt sich ein Blick auf den Home-Assistant-Hub, der die Artikel zu Lastverschiebungs-Strategien und Eigenverbrauchsoptimierung zusammenfasst.
Welche API passt zu deinem Setup?
forecast.solar Public ist der richtige Einstieg für ein einzelnes Modul oder eine Süd-Ausrichtung ohne Ost-West-Split. Keine Kosten, keine HACS-Installation, sofort einsatzbereit. Die 1-Stunden-Auflösung reicht für einfache Verbraucher-Automationen.
Solcast Free ist die bessere Wahl, wenn Genauigkeit zählt oder ein Ost-West-BKW vorliegt. Zwei Sites, 14 Tage Horizont, P10/P90-Sensoren, das ist für Speicher-Vorladestrategien die sauberste Datenbasis. Das 10-Calls-Limit lässt sich mit einem 2-Stunden-Update-Intervall einhalten.
Open-Meteo ist die pragmatische Wahl für alle, die kein Rate-Limit-Management wollen und mehrere Arrays haben. Azimuth-Konvention beim Setup genau prüfen, das ist die einzige Fehlerquelle, die lautlos falsche Prognosen produziert.
forecast.solar Personal Plus (28 €/Jahr) ist die einzige kostenpflichtige Empfehlung, und auch nur für ein spezifisches Szenario: Ost-West-BKW, bei dem man explizit die forecast.solar-Modellgenauigkeit bevorzugt und kein HACS-Setup möchte.
Wer die Prognose-Daten direkt mit dem Ladeverhalten eines Batteriespeichers koppeln will, liest zuerst den Artikel zur Anker SOLIX Home-Assistant-Integration, dort ist beschrieben, welche Latenz bei Cloud-API-Speichern zu erwarten ist und warum schnelle Regelkreise auf Basis von Prognose-Sensoren nicht funktionieren. EcoFlow-Nutzer finden die entsprechenden Hinweise in der EcoFlow Home-Assistant-Integration.