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Notstrom & Blackout

Blackout Speicher Laufzeit: Stunden-Matrix

Balkonspeicher im Blackout: Laufzeit-Matrix mit 4 Profilen, Wirkungsgrad-Korrektur und Min-SOC, realistische Stunden statt Marketing-Zahlen.

9 min Lesezeit Stand 17. Mai 2026

Hersteller werben mit “5 kWh = 50 Stunden Autonomie”, und lassen dabei Wirkungsgrad, Mindest-SOC und Standby-Verlust weg. Diese Seite zeigt die realen Zahlen: eine Laufzeit-Matrix mit vier Verbrauchsprofilen, vier Speichergrößen und eingerechneten Verlusten. Wer sein Setup kennt, kann seinen Speicher direkt einordnen.

Die Formel hinter der Laufzeit

Bevor die Tabellen kommen: die drei Faktoren, die jede Hersteller-Angabe korrigieren.

Laufzeit (h) = nutzbare Energie (Wh) ÷ Verbrauchsprofil (W)

Nutzbare Energie (Wh) = Nennkapazität × Wirkungsgrad × (1 − Min-SOC-Reserve)

Konkret für den Anker SOLIX E1600 Pro :

1.600 Wh × 0,83 × 0,80 = 1.062 Wh nutzbar

Die drei Verlustquellen im Überblick:

FaktorTypischer WertAuswirkung auf 5-kWh-Speicher
Round-Trip-Wirkungsgrad83–90 %−500 bis −850 Wh
Min-SOC-Reserve (20 %)20 % der Nennkapazität−1.000 Wh
Standby-Eigenverbrauch3–10 W−72–240 Wh/Tag

Verbrauchsprofile: Was zieht wirklich wie viel

Vier Profile, die reale Szenarien abdecken, von minimaler Grundversorgung bis zum Szenario mit alter Heizungsanlage.

ProfilGeräteTagesverbrauch
MinimalRouter 10 W × 24 h + 3× LED 7 W × 5 h~345 Wh
Standard+ Kühlschrank A+++ (~50 W Ø × 24 h)~1.065 Wh
Komfort+ Heizungspumpe modern (10 W × 24 h)~1.305 Wh
Altbau-WinterKomfort + Heizungspumpe alt (100 W statt 10 W)~3.465 Wh

Der Kühlschrank-Duty-Cycle ist ein weiterer häufiger Fehler: Ein 150-W-Kühlschrank läuft nicht dauerhaft. Bei ~30 % Kompressor-Einschaltdauer ergibt sich eine effektive Durchschnittslast von ~45–50 W, der Wert ~50 W ist im Profil als Worst-Case angesetzt. Dazu kommt die Anlaufspitze beim Kompressor (3–6× Nennleistung = 450–900 W Spitze), die von jedem Speicher mit Notstrom-Funktion kurzfristig geliefert werden muss .

Laufzeit-Matrix: 4 Profile × 4 Speichergrößen

Die Matrix rechnet mit Nennkapazität × Modell-Wirkungsgrad × 80 % nutzbarer SOC (20 % Reserve). Werte gerundet auf halbe Stunden.

Anker SOLIX E1600 Pro, 1,6 kWh nominal, RTE 83 %, netto ~1,06 kWh

ProfilTagesverbrauchLaufzeit
Minimal345 Wh~73,5 h (~3 Tage)
Standard1.065 Wh~23,5 h (~1 Tag)
Komfort1.305 Wh~19,5 h
Altbau-Winter3.465 Wh~7,5 h

EcoFlow Stream Ultra, ~1,92 kWh nominal, RTE 89,3 %, netto ~1,37 kWh

ProfilTagesverbrauchLaufzeit
Minimal345 Wh~95 h (~4 Tage)
Standard1.065 Wh~31 h (~1,3 Tage)
Komfort1.305 Wh~25 h (~1 Tag)
Altbau-Winter3.465 Wh~9,5 h

Marstek Venus E Gen3, 5,12 kWh nominal, Backup 2.500 W, netto ~3,65 kWh (89 % RTE, 20 % Reserve)

ProfilTagesverbrauchLaufzeit
Minimal345 Wh~254 h (~10,5 Tage)
Standard1.065 Wh~82 h (~3,4 Tage)
Komfort1.305 Wh~67 h (~2,8 Tage)
Altbau-Winter3.465 Wh~25 h (~1 Tag)

Anker SOLIX Solarbank 4 Pro (E5000), 5 kWh Basis, angekündigt für 12. Juni 2026

ProfilTagesverbrauchLaufzeit (geschätzt)
Minimal345 Wh~249 h (~10,4 Tage)
Standard1.065 Wh~80 h (~3,3 Tage)
Komfort1.305 Wh~65 h (~2,7 Tage)
Altbau-Winter3.465 Wh~25 h (~1 Tag)

Sommer vs. Winter: Warum die Saison die Zahlen halbiert

Zwei entscheidende Unterschiede machen Winter-Szenarien deutlich anspruchsvoller:

PV-Nachladung: Im Sommer kann ein 800-W-Setup an einem guten Tag 3–5 kWh nachladen, beim Standard-Profil würde das die Autonomie bei einem 1,6-kWh-Speicher auf mehrere Tage verlängern. Im Januar/Februar mit flachem Sonnenstand und kurzen Tageslichtfenstern liegt die tatsächliche Erzeugung eines 800-W-BKW oft unter 0,5 kWh/Tag. Wer im Winter auf PV-Nachladung setzt, plant mit einer unsicheren Größe.

Heizungspumpe: Im Sommer ist die Heizungsanlage abgeschaltet, das Komfort-Profil unterscheidet sich im Sommer nicht vom Standard-Profil. Im Winter wird die Heizungspumpe zum entscheidenden Faktor: Altbau mit alter Pumpe (100 W) × 24 h = +2.400 Wh täglich, was das Standard-Profil von ~1.065 Wh auf ~3.465 Wh treibt, eine Verdreifachung.

Praktische Schlussfolgerung: Der Marstek Venus E Gen3 mit ~3,65 kWh netto schafft beim Standard-Profil knapp das BBK-Ziel von 72 Stunden, aber nur wenn die Heizungspumpe modern ist. Wer eine Altbau-Pumpe hat, liegt selbst mit 5-kWh-Speicher bei nur ~25 Stunden Laufzeit.

Das BBK empfiehlt als Mindestziel 3 Tage, idealerweise 10 Tage Selbstversorgung . Das 10-Tage-Ziel ist mit einem einzelnen Balkonspeicher ohne Solar-Nachladung nicht erreichbar, es setzt auf eine Kombination aus großem Speicher, PV-Anlage und konsequentem Lastmanagement.

Drei Beispiel-Rechnungen

Setup A: E1600 Pro, Standard-Profil, Winter ohne Solar 1.600 Wh × 0,83 × 0,80 = 1.062 Wh ÷ 1.065 Wh/Tag = ~24 Stunden. Für das BBK-3-Tage-Ziel fehlen gut 2 kWh netto.

Setup B: Marstek Venus E Gen3, Komfort-Profil, Sommer mit PV 3.650 Wh ÷ 1.305 Wh/Tag = ~2,8 Tage aus dem Speicher allein. Mit 800-W-PV an einem guten Sommertag kommen ~2.500–3.500 Wh Nachladung dazu, damit sind 5–7 Tage Autonomie realistisch.

Setup C: Altbau, alte Heizungspumpe, Solarbank 3 E2700 Die Anker SOLIX Solarbank 3 E2700 hat 2.700 Wh nominal. Mit RTE ~83 % und 20 % Reserve: 2.700 × 0,83 × 0,80 = ~1.793 Wh netto. Geteilt durch Altbau-Winter-Profil 3.465 Wh/Tag: ~12,5 Stunden. Für dieses Szenario ist ein 5-kWh-Speicher das Minimum, und selbst dann bleibt die Laufzeit bei nur ~25 Stunden.

Was du aus der Matrix mitnehmen solltest

Vier Punkte, die in keinem Hersteller-Prospekt stehen:

  1. Wirkungsgrad-Korrektur ist Pflicht. Der E1600 Pro liefert keine 1,6 kWh, sondern ~1,06 kWh netto bei 20 % Reserve. Wer das nicht einrechnet, plant mit 35 % zu viel Kapazität.

  2. Die alte Heizungspumpe ist der größte Wildcard. Wer im Altbau eine Pumpe aus vor 2010 hat, sollte die Laufzeit-Kalkulation zuerst mit dem Altbau-Winter-Profil durchführen, nicht mit dem Komfort-Profil.

  3. Die “5 kWh = 50 h”-Werbung ist falsch. 5 kWh Nennkapazität mit 89 % RTE und 20 % Reserve = ~3,56 kWh netto. Beim Standard-Profil (1.065 Wh/Tag) sind das ~80 Stunden, nicht 50, aber das liegt daran, dass 100 W ein zu hoher Verbrauchsansatz war, nicht daran, dass 5 kWh verfügbar wären.

  4. Der E1600 Pro hat keinen AC-Eingang. Im Blackout-Szenario ohne Netz und bei schwachem Winter-PV ist keine Nachladung möglich . Für Winter-Szenarien mit Nachladebedarf braucht es die Solarbank 2 E1600 AC oder ein Modell mit Netzeingang.

Empfehlung für Blackout-Vorsorge

Speicher 5 kWh · Empfehlung

Marstek Venus E Gen3

5,12 kWh nominal

Nutzbar (89 % RTE, 20 % Reserve)
~3,65 kWh
Backup-Leistung
2.500 W
Standard-Profil
ca. 82 h
BBK-3-Tage-Ziel
knapp erreicht

Schafft BBK-Mindestziel ohne PV-Nachladung

Dedizierter Backup-Port mit 2.500 W

Min-SOC für Notstromreserve konfigurierbar

Bei Altbau-Winter-Profil nur ca. 25 h

Backup-Port schaltet unter 11 % SOC ab

Speicher 1,6 kWh

Anker SOLIX Solarbank 2 E1600 Pro

1,6 kWh nominal

Nutzbar (83 % RTE, 20 % Reserve)
~1,06 kWh
Standard-Profil
ca. 24 h
AC-Eingang
nein
Skalierbar
zweites Modul möglich

Günstiger Einstieg in BKW-Notstrom

Zweites Modul verdoppelt Backup-Kapazität

Ohne AC-Eingang keine Netz-Nachladung

Standard-Profil nur 1 Tag

Welche Speicher einen echten USV-Ausgang mit definierten Umschaltzeiten mitbringen, zeigt Welche Speicher haben echten USV-Ausgang?. Wer die Prioritätenliste für seine Verbraucher noch nicht hat: Notstrom-Checkliste Haushalt. Min-SOC-Strategien für den Alltagsbetrieb mit dynamischem Tarif erklärt SOC-Targets optimieren.

Den vollständigen Themen-Überblick gibt es im Notstrom-Hub. Wer das BKW komplett netzunabhängig betreiben will, findet die Grundlagen in Inselbetrieb mit Balkonkraftwerk. Eine mobile Backup-Option für Fahrzeuge mit V2L-Ausgang erklärt Vehicle-to-Load mit dem BKW.

Häufige Fragen

Wie lange hält ein 1,6-kWh-Speicher bei einem Blackout?
Mit Wirkungsgrad-Korrektur (83 %) und 20 % Min-SOC-Reserve bleiben vom Anker E1600 Pro realistisch ca. 1,06 kWh nutzbare Energie. Beim Minimal-Profil (Router + Licht: ~345 Wh/Tag) reicht das gut 73 Stunden. Beim Standard-Profil (zusätzlich Kühlschrank: ~1.065 Wh/Tag) sind es noch etwa 24 Stunden.
Kann ich mit 5 kWh 72 Stunden überbrücken?
Beim Standard-Profil (Kühlschrank, Router, LED: ~1.065 Wh/Tag) reicht 1 kWh netto für ca. 22,5 Stunden, 5 kWh netto decken damit knapp 4,7 Tage. Aber: Wirkungsgrad und Min-SOC reduzieren die verfügbare Energie. Ein 5-kWh-Speicher (89 % RTE, 20 % Reserve) liefert realistisch ca. 3,56 kWh netto. Das entspricht beim Standard-Profil rund 80 Stunden.
Welche Geräte verbrauchen am meisten im Notstrombetrieb?
Die alten Heizungspumpen (60–140 W Dauerlast) sind die größten Überraschungen. Ein Kühlschrank zieht effektiv ~50 W Durchschnitt (30 % Duty-Cycle bei 150 W Nennleistung). Mikrowelle und E-Herd sind absolute Verbotszonen: 800–3.000 W entleeren jeden Balkonspeicher in Minuten.
Warum liefert mein 5-kWh-Speicher keine 5 kWh im Blackout?
Drei Faktoren reduzieren die verfügbare Energie: (1) Round-Trip-Wirkungsgrad (83–90 % je nach Modell), (2) Min-SOC-Reserve für die EPS-Aktivierung (~20 %), (3) Standby-Eigenverbrauch des Speichers (~3–10 W). Ein nominell 5-kWh-Speicher mit 89 % RTE und 20 % Reserve liefert realistisch ~3,56 kWh nutzbare Energie.
Wie viel Kapazität geht durch Wirkungsgrad und Min-SOC verloren?
Bei einem Speicher mit 89 % Round-Trip-Effizienz und 20 % Min-SOC-Reserve bleiben 89 % × 80 % = 71,2 % der Nennkapazität übrig. Bei 83 % RTE (Anker E1600 Pro) und 20 % Reserve: 83 % × 80 % = 66,4 %. Die oft zitierte 'Faustregel 80 % nutzbar' ist also zu optimistisch.
Lohnt sich ein zweiter Speicher für die Notstromreserve?
Bei einem 1,6-kWh-Speicher (z. B. Anker E1600 Pro) ja: ein zweites Modul verdoppelt die reale Notstromkapazität auf ~2,1 kWh netto und überbrückt das Standard-Profil statt 24 auf knapp 48 Stunden. Ab ~2 kWh netto ist das BBK-Ziel von 3 Tagen nur noch mit Solar-Nachladung oder einem 5-kWh-Speicher erreichbar.