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Balkonkraftwerk + Wärmepumpe: Was wirklich passt

Balkonkraftwerk Wärmepumpe kombinieren: Warum BWWP passt, Heizungs-WP nicht. Zähler-Falle, SG-Ready mit Shelly, evcc, mit konkreten Schwellwerten.

9 min Lesezeit Stand 18. Mai 2026

Ob BKW und Wärmepumpe zusammenpassen, hängt an einer einzigen Unterscheidung: Welche Art von Wärmepumpe ist es? Die Antwort bestimmt alles, Wirtschaftlichkeit, Steuerungsaufwand und ob das Konzept überhaupt funktioniert. Dieser Artikel zeigt, wo die Grenze verläuft, wie die Zähler-Falle vermieden wird, und was bei der SG-Ready-Steuerung konkret zu tun ist.

Die ehrliche Antwort: Heizungs-WP vs. Brauchwasser-WP

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für die Raumheizung hat eine elektrische Leistungsaufnahme von typisch 1.000–5.000 W . Ein 800-W-Balkonkraftwerk liefert davon maximal 16–80 %, und nur dann, wenn die Sonne auf voller Leistung scheint. Das BKW trägt zwar zum Hausnetz-Überschuss bei und reduziert den Netzbezug marginal, aber von einem “Betreiben” der Heizungs-WP durch das BKW kann keine Rede sein.

Brauchwasserwärmepumpe (BWWP): Eine andere Ausgangslage. Sie erhitzt nur Trinkwarmwasser, zieht dabei 400–700 W Kompressorleistung und passt damit genau in das Leistungsfenster eines 800-W-BKW an einem klaren Sommertag. Jahresverbrauch für einen 4-Personen-Haushalt: ca. 600–700 kWh/Jahr . Verglichen mit dem klassischen Elektro-Heizstab (COP 1,0) erreichen moderne BWWPs einen COP von 2,5–4,2 .

Im Lastverschiebungs-Überblick wird die BWWP als thermische Batterie behandelt. Dieser Artikel geht tiefer: Zähler-Problem, evcc-Integration, Heizungs-WP-Abgrenzung und Förderung.

Warum BWWP + BKW funktioniert: Die thermische Batterie

Die BWWP ist kein typisches Lastgerät. Ihr Warmwassertank speichert Energie thermisch: Das Wasser wird tagsüber bei Solarüberschuss auf 55–65 °C aufgeheizt, und hält diese Temperatur 6–12 Stunden, ohne dass der Kompressor nachlaufen muss. Damit funktioniert die BWWP als thermische Batterie, die BKW-Überschuss aufnimmt, ohne dass elektrischer Speicher nötig wäre.

Saisonale Einordnung für den BWWP-Jahresverbrauch von ca. 600–700 kWh (4-Personen-Haushalt, COP 3,5) : Im Sommer (April–September) produziert ein 800-W-BKW in Deutschland ~550–650 kWh, davon ist ein erheblicher Teil potenziell für die BWWP nutzbar, der genaue Anteil hängt vom Eigenverbrauchsprofil ab. Solarscouts schätzen, dass ein BKW ~20 % des Jahresbedarfs einer Heizungs-WP (Basis: ~4.000 kWh/Jahr) decken kann . Für die BWWP mit ihrem deutlich kleineren Jahresverbrauch und der Sommer-Konzentration (kein Heizbedarf → fast ausschließlich Warmwasser) fällt der BKW-Anteil im Sommer höher aus.

Zum Vergleich: Ein klassischer Elektro-Heizstab (2–3 kW) übersteigt die BKW-Leistung erheblich, die BWWP ist für die 800-W-Skala die klar sinnvollere Wahl.

Die Zähler-Falle: Gemeinsamer Zähler vs. separater WP-Tarif

Viele Wärmepumpen-Haushalte nutzen einen Sonder-Stromtarif für die WP, günstigere Kilowattstunde im Tausch gegen Steuerbarkeit durch den Netzbetreiber. Das setzt einen separaten WP-Zähler voraus.

Problem: An diesem separaten Zähler kommt der BKW-Strom nicht an. Das BKW speist ins allgemeine Hausnetz ein, der WP-Zweig mit eigenem Zähler ist davon getrennt. Das BKW bringt in diesem Fall keinen Eigenverbrauchseffekt für die Warmwasserbereitung.

Lösung: Kaskadenschaltung (Messkonzept 8). Beide Zähler werden in Reihe geschaltet. Zähler 1 am Hausanschluss misst den Gesamtverbrauch inklusive WP-Anteil und BKW-Einspeisung. Zähler 2 im Haushaltszweig misst nur den Nicht-WP-Verbrauch. Der Netzbetreiber berechnet den WP-Netzstromanteil aus der Differenz . Nebenkosten: Mietgebühren für den zweiten Zähler (ca. 90–120 €/Jahr) müssen gegen die Tarifeinsparung gerechnet werden .

Wer keinen separaten WP-Tarif nutzt und die WP am gemeinsamen Haushaltszähler betreibt: kein Handlungsbedarf, das BKW kommt automatisch der WP zugute.

SG-Ready steuern: Shelly-Relais, evcc und Home Assistant

Was SG-Ready ist: Ein zweipoliger potentialfreier Eingang an der WP. Zwei Kontakte (SG1, SG2) können offen oder geschlossen sein und signalisieren der WP-Steuerung den Betriebsmodus :

ModusSG1SG2Bedeutung
2 (Normal)offenoffenNormalbetrieb
3 (Erhöht)offengeschlossenPV-Überschuss, erhöhter Betrieb, thermische Speicherung
1 (Reduziert)geschlossenoffen/geschlossenLeistungsbegrenzung (EVU-Sperre)

Für BWWPs sind 3 Modi relevant; Modus 4 (forcierter Betrieb ohne Effizienzoptimierung) ist bei BWWPs nicht spezifiziert .

Steuerung per Shelly: Ein Shelly 1 oder Shelly Plus 1 (ca. 12–15 €) schaltet den SG2-Kontakt. In Home Assistant oder über eine Shelly-Szene lässt sich eine einfache Automatisierung einrichten:

# Automatisierung: BWWP SG-Ready Modus 3 bei PV-Überschuss
automation:
  - alias: "BWWP SG-Ready Modus 3"
    trigger:
      - platform: numeric_state
        entity_id: sensor.netzleistung_saldiert
        below: -500   # Einspeisung > 500 W
        for:
          minutes: 5
    condition:
      - condition: time
        after: "09:00:00"
        before: "17:00:00"
    action:
      - service: switch.turn_on
        target:
          entity_id: switch.bwwp_sg_ready_shelly

Die 5-Minuten-Hysterese ist wichtig: Sie verhindert häufiges Ein-/Ausschalten bei Wolkendurchzügen. Der Shelly Pro 3EM-Artikel erklärt die Netzmessung als Voraussetzung für diesen Trigger.

evcc-Integration: evcc unterstützt über 40 WP- und Heizstab-Modelle mit SG-Ready-Schnittstelle oder direkter API, darunter Daikin (Altherma), Stiebel Eltron (WPM), Vaillant (SensoNET), Viessmann (Heatpump API), NIBE, Wolf, Bosch und Buderus . Modelle ohne API werden über ein sgready-relay-Charger-Profil mit Shelly-Relais angesteuert. Die evcc-Konfiguration für Heizgeräte läuft über denselben Mechanismus wie die Wallbox-Steuerung, das evcc-BKW-Setup beschreibt die Grundkonfiguration.

Die Eigenverbrauch-Automatisierung in Home Assistant ohne evcc behandelt der Artikel zur HA-Eigenverbrauch-Automatisierung.

Was das BKW zur Heizungs-WP beiträgt

Zur Vollständigkeit für Haushalte mit Raumheizungs-WP: Ein 800-W-BKW kann ca. 20 % des Jahresbedarfs einer Heizungs-WP mit ~4.000 kWh Jahresverbrauch abdecken . Umgerechnet: ca. 800 kWh/Jahr oder ~300 € bei 39,6 ct/kWh, nicht nichts, aber kein Ausschlusskriterium für den WP-Betrieb.

Einschränkung: Der Effekt ist stark saisonal verzerrt. Im Sommer (April–September) läuft das BKW auf Hochtouren, die WP hat kaum Heizlast, der Solaranteil am WP-Strom ist in diesen Monaten hoch. Im Winter kehrt sich das um: WP läuft auf Volllast, BKW produziert wenig. Das BKW hilft vor allem in der Übergangszeit, wenn beides zusammenkommt.

Förderung: Was geht, was nicht

KfW 458: Reine Brauchwasserwärmepumpen (ohne Raumheizungsfunktion) sind in der Regel nicht nach KfW 458 förderfähig, das Programm richtet sich an Heizungssysteme . Im Verbund mit einem vollständigen Heizungssystem kann eine BWWP als Nebenkomponente ggf. förderfähig sein, für Sicherheit KfW-Hotline oder Energieberater befragen.

Alternativen: BAFA-Einzelmaßnahmen oder Steuerermäßigung nach § 35c EStG können je nach Einzelfall greifen. Der Anschaffungspreis einer BWWP liegt bei 2.300–5.500 € inklusive Einbau , die Wirtschaftlichkeit gegenüber einem Elektro-Heizstab trägt sich in vielen Fällen auch ohne Förderung.

Fazit und Empfehlung

Wer eine BWWP hat oder ohnehin den Warmwassererzeuger erneuert, sollte die Kombination mit BKW-Überschuss-Steuerung aktiv angehen: SG-Ready per Shelly-Relais ist eine Investition von unter 20 €, der Nutzen kommt sofort. Wer bereits einen Shelly Pro 3EM als Energiemonitor betreibt, hat den Netzmess-Trigger für die SG-Ready-Automatisierung ohnehin schon.

Wer eine Heizungs-WP hat: Das BKW hilft, vor allem in den Übergangsmonaten, aber erwartet keine direkten Synergien. Der reale Beitrag liegt bei ca. 20 % des WP-Jahresstroms. Zähler-Situation prüfen, ggf. Kaskadenschaltung mit dem Netzbetreiber besprechen.

Empfohlene Hardware für die SG-Ready-Automatisierung

Energiemonitor · Empfehlung

Shelly Pro 3EM

Netzmessung 3-phasig

Phasen
3
Integration
HA, evcc, Cloud
Verwendung
Trigger für PV-Überschuss
Montage
DIN-Schiene

Voraussetzung für Netzmess-Trigger der BWWP-Automatisierung

Native HA-Integration

Open Local API

Elektriker für sichere Verdrahtung empfohlen

Weiteres zu Eigenverbrauch-Optimierung ohne Speicher: Stufenplan Eigenverbrauchsquote.

Häufige Fragen

Kann ein Balkonkraftwerk eine Wärmepumpe direkt betreiben?
Eine Raumheizungs-Wärmepumpe mit 1.000–5.000 W elektrischer Leistung kann ein 800-W-BKW nicht allein versorgen, das BKW leistet zu wenig. Eine Brauchwasserwärmepumpe (400–700 W) passt dagegen gut: Das BKW deckt an Sonnentagen den Großteil des Betriebs. Einen physischen Direktanschluss gibt es nicht, BKW und WP sind beide am Hausnetz, der Strom fließt über den gemeinsamen Haushaltszähler.
Welche Wärmepumpe passt zu einem 800-W-Balkonkraftwerk?
Eine Brauchwasserwärmepumpe (BWWP) mit 400–700 W Kompressorleistung. Modelle von Stiebel Eltron (WWK), Viessmann (Vitocal 060-A), Bosch/Buderus oder Daikin liegen in diesem Leistungsbereich. Heizungs-Wärmepumpen mit 1–5 kW el. Leistung passen nicht zur 800-W-Grenze des BKW.
Was ist SG-Ready und wie schalte ich es mit Home Assistant?
SG-Ready ist ein zweipoliger Signaleingang an der Wärmepumpe. Ein potentialfreies Relais (z.B. Shelly 1 oder Shelly Plus 1) schaltet die Kontakte und signalisiert der WP-Steuerung den Modus: Modus 2 = Normalbetrieb (beide Kontakte offen), Modus 3 = erhöhter Betrieb / PV-Überschuss nutzen (Kontakt 2 geschlossen). In Home Assistant wird das Relais per Automatisierung gesteuert: Netzeinspeisung > 500 W für 5 Minuten → SG-Ready Modus 3 einschalten.
Lohnt sich die Kombination BKW + BWWP wirtschaftlich?
Ja, wenn ohnehin ein Warmwassererzeuger ersetzt werden muss. Eine BWWP kostet 2.300–5.500 € inklusive Einbau und spart gegenüber einem Elektro-Heizstab (COP 1,0 vs. COP 2,5–4,2) erheblich. Das BKW deckt im Sommer einen großen Teil des BWWP-Strombedarfs (ca. 600–700 kWh/Jahr bei einem 4-Personen-Haushalt), was die Wirtschaftlichkeit weiter verbessert.
Was ist der Unterschied zwischen gemeinsamem und separatem Zähler bei der Wärmepumpe?
Bei gemeinsamem Haushaltszähler fließt BKW-Strom automatisch zur WP, kein Handlungsbedarf. Bei separatem WP-Tarif-Zähler (für günstigere WP-Tarife) kommt BKW-Strom nicht am WP-Zähler an. Lösung: Kaskadenschaltung (Messkonzept 8), bei der zwei Zähler in Reihe betrieben werden. Der Netzbetreiber berechnet den WP-Verbrauch aus der Differenz, so profitiert man vom günstigen WP-Tarif und nutzt trotzdem den Solarstrom.
Wird eine Brauchwasserwärmepumpe durch die KfW gefördert?
Reine Brauchwasserwärmepumpen (ohne Raumheizungsfunktion) sind in der Regel nicht nach KfW 458 förderfähig, das Programm richtet sich an Heizungssysteme. Im Verbund mit einer Heizungsanlage kann eine BWWP als Nebenkomponente ggf. förderfähig sein. Mögliche Alternativen: BAFA-Einzelmaßnahmen-Förderung oder Steuerermäßigung nach § 35c EStG, diese sind abhängig vom Einzelfall und sollten mit einem Energieberater geprüft werden.